Alamannen

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Die Alamannen oder Alemannen waren eine Bevölkerungsgruppe, die den Westgermanen zugeordnet wird und von der Antike bis zum Frühmittelalter in Erscheinung trat.

Geschichte[Bearbeiten]

Wann und wie wurden die Alemannen zu einem Volksstamm? - Die Ethnogenese[Bearbeiten]

Es ist bis heute (Stand 2020) ungeklärt, wie und wann sich die Ethnogenese der Alemannen vollzogen hat. Noch im 4. und 5. Jahrhundert wurden sie von kleinen Königen beherrscht. Damals waren sie also noch kein "Volk" und kein einheitlicher Stamm. Vielleicht vollzog sie sich erst in der neuen Heimat, zwischen Rhein und den östlichen Mittelgebirgen. Möglicherweise aber erst zu der Zeit, in der ihr Gebiet als eigenständige Provinz in das fränkische Reich der Merowinger eingegliedert wurde (537 n. Chr.).[1]

Antike[Bearbeiten]

Größere Angriffe durch Alemannen auf das Römische Reich sind 213 und 233/234 überliefert. Das durch Bürgerkriege und äußere Invasionen erschütterte Römische Reich konnte den Limes und damit das Gebiet nördlich und östlich des Rheins in Süddeutschland, das Dekumatland, nicht mehr halten. Nachdem mehrfach Truppen für innerrömische Kämpfe von der Grenze abgezogen worden waren, muss zumindest der militärische Schutz dieser Provinz um 260 vorüberghend aufgegeben worden sein. In der Folge konnten sich germanische Gruppen in dem ungeschützten Gebiet niederlassen, die nach und nach den Stamm oder die Stammesgruppe der Alamannen bildeten. Möglicherweise erfolgte die Niederlassung germanischer Gruppen mit Zustimmung des römischen Reiches, damit sie als Verbündete die Reichsgrenzen sicherten. Im 3. und 4. Jahrhundert kam es zu zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Alamannen und römischen Truppen. Es gelang dabei den Alamannen immer wieder, die römische Reichsgrenze zu durchbrechen und dabei unter anderem die Pfalz, das Elsass und die Nordostschweiz zu erobern. Die Kontinuität einiger Fluss-, Orts- und Flurnamen lässt vermuten, dass auch provinzialrömische Bevölkerungsanteile (Galloromanen) in den Alamannen aufgegangen sind.

Während der Regierungszeit Kaiser Valentinians I. drangen alamannische Gruppen 365 und 368, ins Reichsgebiet ein und plünderten römische Siedlungen wie Mogontiacum (Mainz). Valentinian I. führte 369 gegen sie einen Vergeltungsfeldzug und ließ er die Rheingrenze durch eine Reihe von neuen Kastellen sichern, so z.B. Altrip. Die Grenze am Hochrhein wurde mit einer Kette von Wachtürmen (burgi) verstärkt.

Nach Entscheidungsschlachten wie der Schlacht von Zülpich und der Schlacht bei Straßburg (506) kamen die nördlichen alamannischen Gebiete unter fränkische Herrschaft; nach 536/537 verloren die südlichen Gebiete den Schutz des Ostgotenreiches und mussten sich ebenfalls dem Frankenkönig unterwerfen. Bis 746 (Blutgericht von Cannstatt) bestand ein relativ autonomes alamannisches Herzogtum innerhalb des Frankenreichs. Im 10. Jahrhundert verschwand die Bezeichnung "Alamannien" und wurde durch "Schwaben" ersetzt.

Mittelalter[Bearbeiten]

Die frühmittelalterlichen Siedlungs- und Herrschaftsgebiete nannte man die Alamannia (Alemannia), sie lagen vor allem im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und Elsass, in Bayerisch-Schwaben, der Deutschschweiz, Liechtenstein und Vorarlberg. Im Gebiet der Alamannen lebten gallorömische und rätische Bevölkerungsgruppen. In den genannten Gebieten werden bis heute alemannische Dialekte gesprochen. Im Gebiet nördlich der Murg wurde das Alemannische durch fränkische Dialekte verdrängt wie beispielsweise den rheinfränkischen Dialekt, der in der hiesigen Region gern als "pfälzisch", mancherorts gelegentlich auch als "kurpfälzisch" bezeichnet wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Christlein: Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes, Theiss, Stuttgart 1978, ISBN 3-8062-0890-5
  • Die Alamannen, herausgegeben vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1302-X
  • Karlheinz Fuchs, Martin Kempa, Rainer Redies: Die Alamannen. Ausstellungskatalog, Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1535-9
  • Karin Krapp: Die Alamannen: Krieger – Siedler – frühe Christen, Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 3-8062-2044-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Reinhard Wolters, Die Römer in Germanien, 2018, S. 102