Perkeo (Lied)

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Das Lied Perkeo wurde 1846 von dem Karlsruher Dichter Joseph Victor von Scheffel (1826-1886) geschrieben und erschien 1866 in seiner Gedicht- und Liedersammlung Gaudeamus. In der Vertonung von Stephan Gruwe (1834-1901) wurde es zu einem beliebten Kommerslied (Lied der Studentenverbindungen). Es bezieht sich auf die historische Figur des Clemens von Heidelberg, Hofmeister und Mundschenk des Kurfürsten Karl III. Philipp von der Pfalz, der zur Sagengestalt des "Zwerg Perkeo" wurde.

Perkeo

Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloss,
An Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut',
Wärt ihr wie ich doch alle feucht-fröhlich und gescheut!"

Und als das Fass das große, mit Wein bestellet war,
Da ward sein künftger Standpunkt dem Zwergen völlig klar.
"Fahr' wohl", sprach er, "o Welt, du Katzenjammertal,
Was sie auf dir hantieren, ist wurst mir und egal!

Um lederne Ideen rauft man manch heißen Kampf,
Es ist im Grund doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf.
Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlurf sonder End'
Erklär' ich alter Narre fortan mich permanent".

Perkeo stieg zum Keller; er kam nicht mehr herfür
Und sog bei fünfzehn Jahre am rhein'schen Malvasier.
War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte innres Licht,
Und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht.

Als er zum Fass gestiegen, stand's wohlgefüllt und schwer,
Doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer.
Da sprach er fromm: "Nun preiset, ihr Leut' des Herren Macht,
Die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht:

Wie es dem kleinen David gegen Goliath einst gelang,
Also ich arm' Gezwerge den Riesen Durst bezwang.
Nun singt ein De Profundis, dass das Gewölb erdröhnt,
Das Fass steht auf der Neige, ich falle sieggekrönt".

Perkeo ward begraben. - Um seine Kellergruft
Beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft.
Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht:
Weh' ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt.