Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

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Das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg ist eine Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1860 stellte der Universitätsprofessor Theodor von Dusch (1824-1890) sieben Betten in eine kleine Wohnung und eröffnete die erste Heidelberger Kinderklinik. Nach der Großherzogin von Baden wurde die Kinderklinik Luisenheilanstalt genannt. Für die ersten 50 Jahre ihres Bestehens war sie auf Spenden und auf die Einkünfte aus Wohltätigkeitsbazaren angewiesen.

1885 wurde der Neubau der Luisenheilanstalt am Bergheimer Neckarufer eröffnet. Schon bald war das Haus überfüllt und wurde in den folgenden 80 Jahren durch Aufstockungen und zahlreiche Anbauten erweitert.


Mit der Berufung von Ernst Moro (1874 - 1951) wurde die Kinderklinik zum Brennpunkt internationaler Forschung. Gemeinsam mit seinen engsten Mitarbeitern Ernst Freudenberg (1884-1967, Bild), Paul György (1893-1976) und Anni Noll (1900- 1966) bearbeitete Moro die damals wichtigsten Themen der Pädiatrie, Tuberkulose und Rachitis sowie die Folgen von Mangelernährung. Ernst Moro ersetzte die schmerzhaften Tuberkulose-Untersuchungen, unter denen seine Patienten sehr litten, durch die einführung der Moro-Probe, einer Salbe, die bei Tuberkulosepatienten charakteristische Hautveränderungen hervorruft. Berühmt wurde Moros Apfeldiät gegen Durchfallerkrankungen, ebenso sein Satz "An apple a day keeps the doctor away" (Ein Apfel am Tag hält Dir den Arzt vom Hals).


1933 wurde das Team der Kinderklinik nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auseinander gerissen. Ernst Freudenberg, der bereits seit 1921 Ordinarius in Marburg war, emigrierte in die Schweiz. Paul György und Anni Noll wanderten nach Großbritannien aus. Moro protestierte öffentlich geben die Vertreibung seiner Mitarbeiter. Zunächst schütze ihn sein internationaler Ruf, doch da seine Frau Grete als Jüdin verfolgt wurde, geriet er immer stärker unter Druck. 1937 trat Ernst Moro von allen seinen Ämtern zurück. In die Kinderklinik kehrte er nie wieder zurück, seine Patienten besuchten ihn in einer Kinderarztpraxis in der Mozartstraße 10. Nachfolger Moros wurde der überzeugte Nationalsozialsozialist Johann Duken (1889-1954).


Der erste Leiter der Kinderklinik nach dem Zweiten Weltkrieg, Philipp Bamberger (1898-1983), fand 1946 chaotische Verhältnisse vor. Die Klinik war hoffnungslos überfüllt. Zum Teil mit Hilfe von nach 1933 vertriebenen Mitarbeitern gelang es ihm, den guten Ruf der Klinik wieder herzustellen.

1951 begann der Umzug in das Neuenheimer Feld, wo zunächst ein Tuberkulosehaus und in der Folge zahlreiche weitere ein- und zweigeschossige Neubauten entstanden, die sich um ein 1965 errichtetes Bettenhochhaus gruppieren. Die Klinik hatte eine hervorragende Lage, direkt am Neckar und zwischen Botanischem Garten und dem Heidelberger Tierpark.

Horst Bickel (1918-2000) wurde im April 1967 Ordinarius für Kinderheilkunde in Heidelberg wurde. Er war bereits ein sehr bekannter Forscher. Bickel war berühmt für die von ihm entwickelte Ernährungstherapie der Phenylketonurie (PKU). Die seltene Krankheit beruht auf einem Gen-Defekt, durch den sich eine schädliche Aminosäure ansammelt, die Nervengewebe zerstört. Bickel entwickelte eine künstliche Nahrung ohne die für PKU Patienten gefährlichen Substanzen. Um die gefährliche Krankheit rechtzeitig zu entdecken, werden seither alle Neugeborenen am dritten Lebenstag auf PKU untersucht. Alle Proben aus Baden-Württemberg, dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz werden bis heute in der Heidelberger Kinderklinik untersucht. Inzwischen gibt es das Neugeborenenscreening, bei dem auf 41 Krankheiten getestet wird.[1]

Am 20.12. 1999 wurde Prof. Georg F. Hoffmann zum neuen Ordinarius und Leiter der Abteilung Kinderheilkunde I (Schwerpunkte: Allgemeine Pädiatrie, Stoffwechsel, Gastroenterologie und Nephrologie) ernannt. Er ist auch Geschäftsführender Direktor der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg.

Im Jahr 2018 wurde die Kinderklinik mit Mitteln der Hopp-Stiftung erweitert (Aufstockung des rückwärtigen Gebäudeteils). Bis ende 2018 wurde auch die Kinderchirurgie eingegliedert, so dass sich die gesamt Universitätsmedizin für Kinder und Jugendliche in einem einzigen Gebäude befindet.

Fachrichtungen[Bearbeiten]

Kinderheilkunde I - Allgemeine Pädiatrie, Endokrinologie, Stoffwechsel, Gastroenterologie, Nephrologie[Bearbeiten]

Kinderheilkunde II - Pädiatrische Kardiologie[Bearbeiten]

Kinderheilkunde III - Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie[Bearbeiten]

Kinderheilkunde IV - Neonatologie[Bearbeiten]

Leiter ist (2016) Prof. Johannes Pöschl. Aufgrund des besonderen, in Heidelberg entwickelten Pflegekonzepts haben Frühgeborene hier besonders gute Chancen, zu überleben und ohne Behinderungen aufzuwachsen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michaela Roßner, Ein Tropfen Blut verrät sehr viel, Mannheimer Morgen vom 17. Mai 2017, Seite 22 (Heidelberg und Metropolregion)
  2. Birgit Sommer, Frühgeborene haben hier die besten Chancen, Rhein-Neckar-Zeitung vom 6. Juni 2016, Seite 8 (Heidelberg)

Weblinks[Bearbeiten]