Arisierung in Mannheim: Unterschied zwischen den Versionen

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Vornehm klingend und die Taten verschleiernd, evtl. sogar beschönigend, nannten es die Täter und ihre Nachkommen „'''Arisierung'''“, wenn von Verfolgung bedrohten (jüdischen) Mitbürgerinnen Eigentum unter juristischen Vorwänden auf der Flucht oder beim Zugtransport in die Vernichtung im Osten gestohlen wurde. Das Unrecht daran war allen bekannt.  
Vornehm klingend und die Taten verschleiernd, evtl. sogar beschönigend, nannten es die Täter und ihre Nachkommen „'''Arisierung'''“, wenn von Verfolgung bedrohten (jüdischen) Mitbürgerinnen Eigentum unter juristischen Vorwänden auf der Flucht oder beim Zugtransport in die Vernichtung im Osten gestohlen wurde. Das Unrecht daran war allen bekannt.  


Die systematische Ausplünderung der jüdischen Mannheimerinnen und -er und die gewollte Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz begann unmittelbar nach dem Machtantritt der Nazis. Ab 1933 wurden überall im Deutschen Reich jüdische Betriebe geschlossen und als Konkursmasse an Parteigenossen verscherbelt oder an „Arier“ zu einem Hohn-Preis „verkauft“. Es flossen daneben Bargeld, Sparbücher und Aktien in Form der sogenannten „Judenvermögensabgabe“ oder der „Reichsfluchtsteuer“ in die Kassen des NS-Staates. Und in einem letzten öffentlichen Akt der Ausplünderung wurde in den 1940er Jahren der Hausrat der jüdischen Mitbügerinnen und -er versteigert, die wenige Tage vorher Angeblich spurlos „in den Osten“ deportiert worden waren. „Verzogen ''nach unbekannt''“ oder „in den Osten“ hieß für alle: sie, die dann vor kurzem in der Nachbarschaft lebenden jüdischen Mannheimerinnen und -er werden dort von Parteigenossen in schwarzen SS-Uniformen (auch sie Arier) ermordet.  
Die systematische Ausplünderung der jüdischen [[Mannheim|Mannheimerinnen und -er]] und die gewollte Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz begann unmittelbar nach dem Machtantritt der Nazis. Ab 1933 wurden überall im Deutschen Reich jüdische Betriebe geschlossen und als Konkursmasse an Parteigenossen verscherbelt oder an „Arier“ zu einem Hohn-Preis „verkauft“. Es flossen daneben Bargeld, Sparbücher und Aktien in Form der sogenannten „Judenvermögensabgabe“ oder der „Reichsfluchtsteuer“ in die Kassen des NS-Staates. Erst 1938 auch zu einer hohen Zahl an körperlichen Angriffen gegen die religiöse Minderheit durch NS-Angehörige (November-Pogrom). Ab 1941 folgte eine immer umfassendere Vernichtung (Massenmord). Und in einem letzten öffentlichen Akt der Ausplünderung wurde in den 1940er Jahren auch noch der Hausrat der jüdischen Mitbügerinnen und -er versteigert, die wenige Tage vorher angeblich spurlos „in den Osten“ deportiert worden waren. „Verzogen ''nach unbekannt''“ oder „in den Osten“ hieß für alle: sie, die noch vor kurzem in der Nachbarschaft lebenden jüdischen Mannheimerinnen und -er werden dort von Parteigenossen in schwarzen SS-Uniformen (sie beanspruchen Arier zu sein) ermordet.  


Auch in Mannheim „verloren“ die einst 6.400 hier lebenden jüdischen Mannheimerinnen und -er im Dritten Reich fast ihren gesamten Besitz; mehr als 1.600 Betriebe und 1.250 Grundstücke wurden „arisiert“.  
Auch in Mannheim „verloren“ die einst 6.400 hier lebenden jüdischen Mannheimerinnen und -er im Dritten Reich fast ihren gesamten Besitz; mehr als 1.600 Betriebe und 1.250 Grundstücke wurden „arisiert“.  
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