Gau

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Der Begriff Gau wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Mittelalter bezeichnete der Begriff Gau den Amtsbezirk eines Grafen. Karl der Große etablierte nach der Niederwerfung der einheimischen Bevölkerung des Südostens seines Reiches dort das Grafschaftsprinzip. Der neue Herrscher über das Reich setzte Grafen als seine Stellvertreter vor Ort ein. Im Fränkischen Reich bezeichnete der comitatus im Wesentlichen den Amtsbezirk eines Grafen (comes, grafio), des Gaugrafen. Dieser war gleichzeitig oberster Richter und Führer eines Heerbanns. Dem Gau zugeordnet waren Zentmarken oder Hundertschaften, die oft durch Zentgrafen verwaltet wurden. Im Zent(grafen)gericht fungierten diese als Schöffen.

Mittelalterliche Gaue[Bearbeiten]

  • Alamannengau (pagus Alemannorum; Orte um Freudenstadt, Münsingen, Eßlingen, Kirchheim u.T., Horb, Rottenburg, Tübingen, Nagold)
  • Angelgau, Anglachgau (Gau am Angelbach zwischen Bruchsal und Schwetzingen)
  • Elsaß
  • Elsenzgau, Elsenzgowe (Gau südlich des unteren Neckar, südöstlich des Lobdengau, mit Bergheim, Neuenheim, Heidelberg, Sinsheim, Gemmingen, Eppingen, Odenheim, Neckarzimmern, Nußloch)
  • Enzgau (Nordwürttemberg, an der Enz)
  • Gartachgau (Nordwürttemberg, an Gartach/Leinbach)
  • Kraichgau Die Bezeichnung Kraichgau für das heutige Gesamtgebiet ist neuzeitlichen Ursprungs. Ursprünglich beschränkte sich der Name auf den Teil des Kraichgaues, der zum Einzugsgebiet des Kraichbaches gehörte, teilweise auch auf Orte an Waldangelbach und Saalbach. Orte im Gebiet des Leimbaches wurden zum Lobdengau gerechnet, für das Einzugsgebiet des Saalbaches wurde auch der Begriff Salzgau verwendet. Die Bezeichnung Kraichgau hat sich im Laufe der Zeit als Oberbegriff für die früheren Kleingaue Elsenzgau, Neckargau, Gartachgau, Zabergäu, Pfinzgau, Anglachgau und Salzgau herausgebildet.
  • Lobdengau, Ladengau (pagus Lobodunensis; 636 erstmals erwähnt, Gau mit der Hauptstadt Ladenburg mit Neuenheim, Handschuhsheim, Dossenheim, Weinheim, Mannheim, Schar). Grenzen: im Westen: Rhein, im Osten: Odenwald, im Norden: Weinheim und Birkenauer Tal, im Süden: Schwarzach. Um 628 erstmals erwähnt.
  • Maingau (westlich des Rheingau, nördlich des Lobdengau)
  • Nahegau (Grafschaft, die den Einzugsbereich der Nahe und weite Teile des heutigen Rheinhessens umfasste)
  • Neckargau (Orte um Gundelsheim, Mosbach, Neckarsulm, Kirchheim u.T., Winpfen, Weilheim)
  • Oberrheingau (pagus rhenensis; rechtsrheinischer Gau mit Lorsch, Bürstadt, Biblis, Rohrheim, Pfungstadt, Heppenheim, Tribur). .
  • Ortenau (auch Mortenau, Mittelbaden)
  • Pfinzgau (an der Pfinz östlich von Karlsruhe)
  • Speyergau (pagus Spirensis; linksrheinischer Gau mit Speyer, Mutterstadt, Dürkheim, Landau, Edenkoben, Altrip, Weißenburg)
  • Wasgau (südlich des Speyergau, mit Annweiler, Trifels, Germersheim, Klingenmünster, Bergzabern)
  • Wingarteiba (Gau zwischen der unteren Jagst und dem Odenwald, mit Buchen, Dallau, Hartheim, Mosbach)
  • Wonnegau (um Worms)
  • Wormsgau, Wormsfeld (pagus Wormatiensis; Gau mit Worms, Frankenthal, Grünstadt, Bingen, Kreuznach, Alzey, Oppenheim, Ingelheim)
  • Zabergäu (Nordwürttemberg an der Zaber)

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Zur Zeit des Nationalsozialismus war zunächst Deutschland, dann auch die okkupierten Gebiete (wie z.B.- der Warthegau) in Verwaltungsbezirke und in Parteibezirke eingeteilt, die jeweils Gaue genannt wurden.

Heutige Anwendung[Bearbeiten]

Öffentliche Verwaltung[Bearbeiten]

Wegen des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs wird die Bezeichnung Gau heute nicht mehr in der öffentlichen Verwaltung Deutschlands verwendet.

Vereine/Institutionen[Bearbeiten]

Verschiedene Vereine und Institutionen verwenden den Begriff Gau jedoch nach wie vor, beispielsweise einige Pfadfindergruppen, Turnvereine (vergleiche "Turngau", "Gaujugend", "Gaumeisterschaft") und der Adac.

Landschaften[Bearbeiten]

Auch als Teil von Landschaftsbezeichnungen hat sich das Wort Gau und auch Gäu erhalten:

Gau[Bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten]

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Gau aus dem Stadtwiki Karlsruhe. Die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste. Wie im Rhein-Neckar-Wiki stehen alle Texte des Stadtwiki Karlsruhe unter der CC-Lizenz BY-NC-SA.