Patrick-Henry-Village

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Patrick-Henry-Village (PHV) war ein in den 1950er Jahren entstandenes Wohngebiet der Amerikanischen Armee in Heidelberg, das ca. 100 Hektar Fläche umfasst und in dem damals ca. 18.000 Menschen gelebt haben. Es liegt westlich der Stadt in Richtung BAB-Anschlussstelle Heidelberg-Schwetzingen (Nr. 38) jenseits der Bundesautobahn A 5. Benachbart liegen Eppelheim und der Ortsteil Kirchheim (Heidelberg); im Westen die Orte Oftersheim und Plankstadt.

Seit 2014 wird das PHV als Erstaufnahmezentrum (EAZ) für Asylbewerber ("Flüchtlinge") genutzt. Hier werden die Flüchtlinge registriert und gesundheitlich untersucht. Außerdem stellen sie gegebenenfalls, nämlich falls Baden-Wüttemberg zuständig ist, vor Ort bei einem Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihren Asylantrag. Danach werden die Flüchtlinge auf die Stadt- und Landkreise verteilt. Zukünftig soll hier auch die Altersfeststellung stattfinden.

Ende April 2016 sollte die Nutzung als Registrierungszentrum für ein Jahr verlängert werden.[1] Ein Ende der Nutzung ist jedoch noch nicht absehbar, so lange eine Alternative noch nicht feststeht. (Stand 2018). Ein Gutachten des Landesinnenministeriums empfiehlt, den Standort PHV komplett zu räumen und stattdessen, ebenfalls als Interimslösung, das Erstaufnahmezentrum, inzwischen in Ankunftszentrum umbenannt, in das Gewann Wolfsgärten am Autobahnkreuz Heidelberg umzuziehen.[2] Der Gemeinderat der Stadt Heidelberg hat inzwischen die IBA (Internationale Bauausstellung) unter Leitung von Prof. Braum beauftragt, eine Gesamtplanung für den neuen Stadtteil zu erstellen. Das Ankunftszentrum sollte darin nicht enthalten sein. Stadt und Land wollten die Umsiedlung des Ankunftszentrums in das Gewann Wolfsgärten. Gegen diese Pläne richtete sich ein Bündnis verschiedener Gruppen einschließlich mehrerer Parteien und Gruppierungen, die im Gemeinderat vertreten sind (SPD, GAL, Bunte Linke, Die Linke, Die Partei und Waseem Butt). Das Bündnis erreichte, dass am 11. April 2021 ein Bürgerentscheid durchgeführt wurde. Bei einer Beteiligung von knapp 40 Prozent sprachen sich 70,3 % gegen die Verlagerung des Zentrums in die Wolfsgärten aus. Das vorgeschriebene Quorum wurde somit erreicht. Damit scheidet diese Variante in den Planungen der Stadt aus. Da eine Verlagerung in das ehemalige Airfield unwahrscheinlich ist, andererseits aber alle Beteiligten unbedingt das Ankunftszentrum in Heidelberg halten wollen (nur die AfD ist gegen das Ankunftszentrum überhaupt), wird jetzt überlegt, ob das Gelände des PHV erweitert werden muss oder ob "nachverdichtet" werden muss, also unter Verlust von Wohnungsflächen und/oder Arbeitsplätzen sowie Grünflächen weitergeplant wird. [3]

Presseberichte[Bearbeiten]

  • Denis Schnur, Bis zur Anhörung dauert's keine zehn Tage, in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 23. Juni 2018 (Heidelberg)
  • Sebastian Riemer, Patrick-Henry-Village: Jetzt geht es ums Geld. Heidelberg platz auf Ex-US-Siedlung die „Wissensstadt der Zukunft“. Stadt kauft wahrscheinlich nicht das gesamte Gelände vom Bund, in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 30. November 2018 (Heidelberg)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. stadtblatt vom 20. März 2016
  2. Micha Hörnle, Rhein-Neckar-Zeitung vom 16. Oktober 2018 (Heidelberg)
  3. Philipp Neumayr und Denis Schnur, Bürgerentscheid: Klares Votum gegen Wolfsgärten, in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 12. April 2021, Seite 3 (Rubrik Heidelberg); Kommentar von Denis Schnur, Verzockt, in derselben Ausgabe, Kommentar von OB Würzner, "Ein bisschen enttäuscht" und Infokasten mit den Abstimmungsergebnissen in den stadtteilen So wählten die Stadtteile