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Die '''Nationalliberale Partei''' (abgekürzt '''N.P.''', im neueren Schrifttum auch '''NLP''') war eine politische Partei in Deutschland, die aus der preußischen Fortschrittspartei hervorging. Anlass der Abspaltung war der Verfassungskonflikt im August [[1866]] infolge der von der preußischen Regierung verlangten ''Indemnität''. Im Kern ging es dabei um Bismarcks Einigungspolitik, bei der die kleindeutsche Lösung mit militärischer Gewalt durchgesetzt wurde. Die Nationalliberalen entschlossen sich, das Freiheitsthema zurückzustellen und zunächst die deutsche Einheit zu erreichen. Ihre Partei galt daher als "Reichsgründungspartei". | Die '''Nationalliberale Partei''' (abgekürzt '''N.P.''', im neueren Schrifttum auch '''NLP''') war eine politische Partei in Deutschland, die aus der preußischen Fortschrittspartei hervorging. Anlass der Abspaltung war der Verfassungskonflikt im August [[1866]] infolge der von der preußischen Regierung verlangten ''Indemnität''. Im Kern ging es dabei um Bismarcks Einigungspolitik, bei der die kleindeutsche Lösung mit militärischer Gewalt durchgesetzt wurde. Die Nationalliberalen entschlossen sich, das Freiheitsthema zurückzustellen und zunächst die deutsche Einheit zu erreichen. Ihre Partei galt daher als "Reichsgründungspartei". | ||
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Die ''gemäßigten Liberalen'' hatten sich am 23. Juli 1863 eine Organisation geschaffen und auf einer Versammlung am 27. Dezember 1866 das Programm einer "liberalen und nationalen Partei Badens" beschlossen.<ref><small>Vogel/Haungs, ''Wahlkampf und Wählertradition'', S. 60 im Anschluss an Thomas Nipperdey, ''Die Organisation der deutschen Parteien vor 1918'', Düsseldorf 1961</small></ref>Wie andernorts war die gesamtliberale Organisation auch in Baden in den Händen der Nationalliberalen. Der Typus ihrer lokalen Parteiorganisation war das ''Komitee''. Relativ offene Landesversammlungen bildeten in Baden den Mittelbau der Partei; führende Gesinnungsgenossen aus den Bezirken kamen dort zusammen. Die Parteiführung im Großherzogtum lag formell beim ''Landesausschuss'', dessen Einberufung jedoch im Ermessen des Partei- und Fraktionsführers [[Friedrich Kiefer]] stand. Erst nach der Wahlniederlage von 1890 wurde bei den Liberalen die Landesorganisation weiter ausgebaut. | Die ''gemäßigten Liberalen'' hatten sich am 23. Juli 1863 eine Organisation geschaffen und auf einer Versammlung am 27. Dezember 1866 das Programm einer "liberalen und nationalen Partei Badens" beschlossen.<ref><small>Vogel/Haungs, ''Wahlkampf und Wählertradition'', S. 60 im Anschluss an Thomas Nipperdey, ''Die Organisation der deutschen Parteien vor 1918'', Düsseldorf 1961</small></ref>Wie andernorts war die gesamtliberale Organisation auch in Baden in den Händen der Nationalliberalen. Der Typus ihrer lokalen Parteiorganisation war das ''Komitee''. Relativ offene Landesversammlungen bildeten in Baden den Mittelbau der Partei; führende Gesinnungsgenossen aus den Bezirken kamen dort zusammen. Die Parteiführung im Großherzogtum lag formell beim ''Landesausschuss'', dessen Einberufung jedoch im Ermessen des Partei- und Fraktionsführers [[Friedrich Kiefer]] stand. Erst nach der Wahlniederlage von 1890 wurde bei den Liberalen die Landesorganisation weiter ausgebaut. | ||
Von den badischen nationalliberalen Politikern schloss sich der Reichstagsabgeordnete Markus Pflüger der ''Sezession'' und später der [[Freisinnige Partei|Freisinnigen Volkspartei]] an; der Anhang dieser Partei blieb in Baden zunächst auf Lörrach beschränkt, ab 1889 wurden aber auch in [[Karlsruhe]] und anderen Gemeinden ''freisinnige Vereine'' gegründet. Nachdem die Nationalliberalen die Forderung nach direktem Wahlrecht für die Landtagswahlen in ihr Programm aufgenommen hatten, näherten sich die Freisinnigen diesen seit 1899 wieder an; dasselbe galt für die Demokraten ab 1903/04.Daraus entstand 1905 der ''Liberale Block'' für ein gemeinsames taktisches Vorgehen bei der Landtagswahl. Das Bündnis wurde für die Reichstagswahlen 1907 und 1912 erneuert. Dieser liberale Block schloss sich mit den Sozialdemokraten sogar zum ''Großblock'' zusammen, um Wahlerfolge der Zentrumspartei zu verhindern. Diese Bündnispolitik wurde von den weiter rechts stehenden Parteifreunden aus Norddeutschland ebenso kritisiert wie vom Vorsitzenden der Nationalliberalen Partei, [[Ernst Bassermann]]. Bei dieser relativ linken Orientierung der badischen Nationalliberalen spielte der Einfluss der nationalliberalen Jugendvereine, die in Baden relativ stark waren, eine nicht zu unterschätzende Rolle.<ref><small>Vogel/Haungs, ''Wahlkampf und Wählertradition'', S. 62</small></ref> | Von den badischen nationalliberalen Politikern schloss sich der Reichstagsabgeordnete Markus Pflüger der ''Sezession'' und später der [[Deutsche Freisinnige Partei|Freisinnigen Volkspartei]] an; der Anhang dieser Partei blieb in Baden zunächst auf Lörrach beschränkt, ab 1889 wurden aber auch in [[Karlsruhe]] und anderen Gemeinden ''freisinnige Vereine'' gegründet. Nachdem die Nationalliberalen die Forderung nach direktem Wahlrecht für die Landtagswahlen in ihr Programm aufgenommen hatten, näherten sich die Freisinnigen diesen seit 1899 wieder an; dasselbe galt für die Demokraten ab 1903/04.Daraus entstand 1905 der ''Liberale Block'' für ein gemeinsames taktisches Vorgehen bei der Landtagswahl. Das Bündnis wurde für die Reichstagswahlen 1907 und 1912 erneuert. Dieser liberale Block schloss sich mit den Sozialdemokraten sogar zum ''Großblock'' zusammen, um Wahlerfolge der Zentrumspartei zu verhindern. Diese Bündnispolitik wurde von den weiter rechts stehenden Parteifreunden aus Norddeutschland ebenso kritisiert wie vom Vorsitzenden der Nationalliberalen Partei, [[Ernst Bassermann]]. Bei dieser relativ linken Orientierung der badischen Nationalliberalen spielte der Einfluss der nationalliberalen Jugendvereine, die in Baden relativ stark waren, eine nicht zu unterschätzende Rolle.<ref><small>Vogel/Haungs, ''Wahlkampf und Wählertradition'', S. 62</small></ref> | ||
== Die Liberalen nach 1918 == | === Die Liberalen nach 1918 === | ||
Im Gefolge der Novemberrevolution löste sich die NLP auf. Gustav Stresemann gründete die [[Deutsche Volkspartei]] (DVP), die die Tradition der NLP fortsetzte, während eine Minderheit mit Politikern der ''Fortschrittlichen Volkspartei'' die [[Deutsche Demokratische Partei]] (DDP) gründete. | Im Gefolge der Novemberrevolution löste sich die NLP auf. Gustav Stresemann gründete die [[Deutsche Volkspartei]] (DVP), die die Tradition der NLP fortsetzte, während eine Minderheit mit Politikern der ''Fortschrittlichen Volkspartei'' die [[Deutsche Demokratische Partei]] (DDP) gründete. | ||
== Bekannte Nationalliberale, vor allem in Nordbaden == | |||
* [[Ernst Bassermann]] (1854 - 1817), Rechtsanwalt und Stadtrat (NLP) in [[Mannheim]], im Parteivorstand der NLP seit 1893, Vorsitzender der Reichtstagsfraktion der NLP seit 1898, Rücktritt von allen politischen Ämtern 1917 | |||
* [[Wilhelm Blum]] (1831 - 1904), vertrat u.a. den Wahlkreis Großherzogtum Baden 13 (Heidelberg - Eberbach - Mosbach) im deutschen Reichstag von 1871 - 1884 | |||
== Literatur == | |||
* Thomas Nipperdey, ''Die Organisation der deutschen Parteien vor 1918'', Band 18 der Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Düsseldorf 1961 | |||
* Bernhard Vogel, Peter Haungs, ''Wahlkampf und Wählertradition. Eine Studie zur Bundestagswahl von 1961'', ''Politische Forschungen'' Band 7, herausgegeben von Dolf Sternberger, Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1965. Die Studie enthält einen ausführlichen Teil zur Geschichte der badischen Parteien in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und der Zeit seit 1945. | |||
== Anmerkungen und Einzelnachweise == | == Anmerkungen und Einzelnachweise == | ||
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[[Kategorie:Baden]] | |||