Böbingen

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Ortswappen

Böbingen gehört zur Verbandsgemeinde Edenkoben im Landkreis Südliche Weinstraße.

Der Ort hat 771 Einwohner (Stand November 2014) und ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Angebaut werden unter anderem Kartoffeln, Wein, Spargel, Rhabarber, Erdbeeren.

Es besteht eine Partnerschaft mit Rudersdorf (Thüringen)

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehört die jährliche Kerwe, die jeweils am 3. Sonntag im Juli stattfindet, sowie die seit 2001 jählich veranstaltete Kaffeetafel auf der Hauptstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Die älteste bekannte gesicherte urkundliche Erwähnung trägt das Datum 22. April 776 unter der Bezeichnung Bebingen. In dieser Urkunde übereignet die Adlige Landrada unter anderem einen Grund in Böbingen an das Kloster Lorsch. (Die Erwähnung des Ortes Billingen im Jahr 772 ist allerdings nach derzeitigen Erkenntnissen mit Böbingen gleichzusetzen)

Im Laufe der Jahrhunderte gelangten durch Stiftungen weitere Grundstücke und Rechte an umliegende Klöster, wie das Altenmünsterer Kloster, das Kloster Eußerthal, der Deutsche Ritterorden, die Kirche in Weyher und zuletzt am 28. April 1494 das neugegründete Spital in Deidesheim.

Ab 1417 war die Kurpfalz oberster Lehnsherr, der Ort wurde der Vogtei Germersheim zugewiesen. Die umliegenden Gemeinden gehörten hingegen zum Bistum Speyer. Ortsherren waren jedoch nicht die in Speyer ansässigen Adeligen, die sich selbst „von Böbingen“ nannten, sondern die „Junker von Altdorf“.

Wann die Reformation in Böbingen eingeführt wurde, ist nicht belegt. Bei einer Versammlung im August 1565, bei der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem Dorf fixiert wurden (unter anderem wurde festgelegt, dass die Blutgerichtsbarkeit in Germersheim lag), wurde erwähnt, dass das Kirchweihfest seit „etlichen Jahren“ verboten sei, was auf die Reformation hindeutet. Gesicherte Daten gibt es jedoch erst ab 30. März 1593, als mit Clemens Wild ein reformierter Pfarrer nach Böbingen kam.

Im 17. Jahrhundert änderte sich die Lage der Gemeinde rapide. Hatte sie vor 1617 noch verschiedene Darlehen im Gesamtwert von 350 Gulden vergeben, sorgte eine regionale Mäuseplage und der Dreißigjährige Krieg für eine Verschuldung Böbingens. So musste 1627 Getreide im Wert von 247,5 Gulden per Schuldschein aus Speyer gekauft werden. Bis 1650 hatten sich die Schulden auf 657 Gulden angehäuft. Wesentliche Mitschuld daran trug ein schwedischer Soldat, der zum Schutz des Ortes Mitte der 1630er Jahre einquartiert werden musste, und der erhebliche Kosten verursachte. Einkünfte erwarb die Gemeinde in diesen Jahren vorwiegend aus dem Verkauf von Obst und Gras.

Mehrfach wurde in der Nachkriegszeit um Erlass oder Reduzierung des Zehnten ersucht, oft wegen Missernten. Immer wieder mussten die Böbinger auch in den folgenden Jahrzehnten für die Logis einquartierter Soldaten aufkommen. Es machte keinen Unterschied, ob es sich dabei um französische oder um österreichische Soldaten handelte, wirtschaftlich kam Böbingen in kaum einen Jahr in die schwarzen Zahlen. Im Jahr 1671 wurde erstmals eine örtliche Ölmühle erwähnt. Ältere Dokumente belegen, dass es lange Zeit keine Mühle in Böbingen gab.

Unter dem Krieg, den Frankreich ab 1688 gegen Deutschland führte, hatte die ganze Region zu leiden. Böbingens Schultheiß Braun wurde mehrfach wegen ausbleibender Frondienste und Abgaben inhaftiert, die Übergriffe der Soldaten schädigten die Bevölkerung nachhaltig. Dennoch galt der Ort im Vergleich zu den Nachbargemeinden als einigermaßen sicher. Während ein Krieg auf den nächsten folgte und die Gemeinde sich immer weiter verschuldete, um die Kosten tragen zu können, kam es innerorts zu Spannungen zwischen Katholiken und Reformierten. Das staatlich festgelegte Simultaneum in der Ortskirche wollten die Reformierten nicht akzeptieren.

Dessen unbenommen begannen 1711 die Bauarbeiten zu einem neuen Rathaus, die fünf Jahre später mit dem Einbau der Rathausuhr endeten. Grundlegend neu wurde der Chor der Kirche im Jahr 1758 gebaut. Die Protestanten bauten 1818 schließlich ihre eigene Kirche, als das lange verarmte Dorf sich wirtschaftlich konsolidieren konnte. Streitigkeiten beider Konfessionen über einzelne Pfarrbesitzverhältnisse wurden erst am 30. Januar 1830 durch einen königlichen Erlass entschieden.

In dieser Zeit kam das Dorf zu bescheidenem Wohlstand, der darin gipfelte, dass laut Gemeinderechnung keine Armut mehr in Böbingen herrsche. Es war auch die Zeit einer kleineren Einwanderungswelle, dazu kam eine Verbesserung der Infrastruktur und die Urbarmachung des Gewanns „Brämig“, dessen Nutznießer wohlhabende Landwirte ebenso wie ärmere Bürger waren. Schließlich wurde auch ein gemeindeeigener Steinbruch erschlossen und 1861 ein neuer Friedhof eingeweiht, bestehende Straßen werden im Zuge des Wachstums verlängert, öffentliche Gebäude renoviert.

Gleichwohl gab es dieser Zeit auch viele auswanderungswillige Bürger. Den meisten wurde die Überfahrt nach Amerika gewährt.

Dem Deutsch-Französischen Krieg sah man in Böbingen mit gemischten Gefühlen entgegen. Es mussten Frondienste nach Neustadt an der Weinstraße geleistet werden, für zu leistende Fuhrdienste der Bürger musste die Gemeinde diesen Entschädigung zahlen, was bereits Ende 1870 zu einer Darlehensaufnahme von etwa 400 Gulden führte. Ansonsten ging das Gemeindeleben seinen gewohnten Gang, geprägt vor allem durch einen seit Jahren immer wieder aufkeimenden Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken.

Die nun auch auf dem Land erkennbar werdende Industrialisierung führte in den 1890er Jahren auch in Böbingen zu Aktivität: 1893 wurde eine Glashütte mit 50 Beschäftigten eröffnet, die jedoch wegen schlechter Verkehrsbedingungen nach wenigen Jahren wieder eingestellt wurde. Nacheinander wurden zwei Bahnlinien, für welche die Vorbereitungen begonnen wurden, doch nicht gebaut. Eine Postagentur, eine Telegraphenlinie und ein Omnibusverkehr wurden jedoch eingerichtet und eine Handarbeitsschule eröffnet. Wasser und Elektrizität in allen Häusern gibt es in Böbingen jedoch erst schrittweise nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Diesen erlebte das Dorf zunächst mit Soldateneinquartierungen, den Durchzug von Viehtransporten aus der Region und im Juni 1940 durch die Ankunft französischer Kriegsgefangener, die zur Feldarbeit gezwungen werden. In der Nacht vom 5. Auf den 6. Mai 1941 wurde Böbingen von englischen Fliegerbomben getroffen. Mehrere Scheunen brannten nieder, und obwohl auch Wohnhäuser getroffen wurden, gab es keine Todesopfer. Weitere Bomben fielen im Kriegsverlauf auf umliegende Felder. In der Nacht des 23. März, 1945 rückten amerikanische Truppen in Böbingen ein, das sich kampflos ergab. Wenig später wurde der Ort durch französische Soldaten besetzt. 105 Böbinger nahmen als Soldaten am Krieg teil, 28 von ihnen starben.

1960 wurde erstmals eine Kanalisation in Böbingen installiert. In der Folge wurde auch die Hauptstraße neu ausgebaut. Insgesamt waren die 1960er Jahre eine sehr aktive Zeit: 1963 wurde der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ auf Kreisebene gewonnen, im Jahr darauf folge der Titel erneut auf Kreisebene, dazu auf Bezirksebene und schließlich auf Landesebene. 2004 wurde auf Bundeseben der zweite Platz erreicht.

1965 wurde nach längerer Planungs-und Bauphase die Gäuschule eröffnet, die sich zentral zwischen den Orten Böbingen, Altdorf und Freimersheim befindet, und von den drei Orten gemeinsam betrieben wird. In den Jahren danach entstand das Baugebiet rund um die neu angelegte Brühlstraße. Hingegen wurde der Bau einer in verschiedenen Variationen geplanten Kläranlage nicht realisiert.

Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde zunächst die Zugehörigkeit zu einer Verbandsgemeinde mit Sitz in Altdorf überlegt, was der Gemeinderat jedoch einstimmig ablehnte. Im November 1969 wurde statt dessen der Zusammenschluss zur geplanten Verbandsgemeinde Edenkoben beschlossen, welche aber erst mit Wirkung zum 1. Oktober 1972 per Gesetz zustande kam.

1979 wurde das überwiegend in gemeinschaftlicher Eigenarbeit gebaute Dorfgemeindehaus eingeweiht, das seither Vereinen wie Privatpersonen als Veranstaltungsort dient.

1993 erhielt der Friedhof eine Aussegnungshalle, zudem wurde der Ort ans Gasnetz angeschlossen. Die langsame Erweiterung des Ortes mit Neubaugebieten und verlängerten Straßen setzte sich in diesen Jahren fort.

Bisherige Bürgermeister[Bearbeiten]

Bis 1797 war die Bezeichnung „Schultheiß“. In der französischen Besatzungszeit trugen die Ortsersten den Titel „Maire“. Begriff und Tätigkeitsfeld des Bürgermeisters kamen erst danach auf.

  • um 1416: Hans Rodter
  • um 1494: Hans Bischof
  • um 1532: Leonhardt Meiß
  • um 1565: Hans Groß
  • vor 1599: Debold Kochs
  • 1599: Hans Maisch (Meiß)
  • 1615 – 1626: Theobald Bubenroß
  • 1650 – 1685: Hans Damian
  • 1686 – 1703: Peter Braun (der Ältere)
  • 1703 – 1712: Lorenz Damian
  • 1713 – 1715: Christoph Vogel
  • 1716: Veltin Damian
  • 1718: Werner Becker
  • 1719: Christoph Vogel
  • 1719 – 1774: Johann Peter Braun
  • 1775 – 1797: Simon Franz Braun
  • 1806 – 1808: Georg Heinrich Vogel
  • 1809 – 1818: Wilhelm Salm (aus Freimersheim)
  • 1819 – 1830: Simon Franz Braun
  • 1830 – 1842: Thomas Gödelmann
  • 1842 – 1843: Michael Renner III
  • 1843 – 1845: Philipp Peter Renner
  • 1845 – 1873: Michael Renner IV
  • 1873 – 1879: Michael Renner V
  • 1879 – 1920: Wendel Vogel
  • 1920 – 1932: Jakob Renner
  •  ? – 1935: Karl Herzog
  • 1935 – 1945: Fritz Damian
  • 1945 – 1948: Jakob Bopp
  • 1948 – 1974: Erwin Renner
  • 1974 - 1989 Bertold Renner
  • 1989 - 2014 Gerhard Pulg
  • seit 2014 : Sebastian Renner

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Leopold Reitz (Schriftsteller)
  • Erwin Renner (Bürgermeister von 1948 bis 1974)

Vereine[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Böbingen ist eine vorwiegend evangelische Gemeinde. 47,6 % der Bewohner gehören der evangelischen Kirche an, dazu kommen 31,25 % Katholiken. (Stand: November 2014) Beide Konfessionen haben jeweils eine eigene Kirche. Die Protestanten nutzen die 1820 fertiggestellte protestantische Kirche, die Katholiken die Kirche St.Sebastian

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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